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Compsognathus
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top
Compsognathus (âzierlicher Kieferâ, von altgriechisch ÎșÎżÎŒÏÏÏ kompsĂłs, deutsch âgeschminkt, geziert, verschlagen, von feinem, zierlichem Benehmenâ sowie ÎłÎœÎŹÎžÎżÏ gnĂĄthos, deutsch âKinnbacken, Gebiss, [hier:] Kieferâ)cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]cite-ref-5[5] ist eine Gattung kleiner theropoder Dinosaurier aus der Familie der Compsognathidae, die im Oberjura (frĂŒhes Tithonium) in Europa lebte. Compsognathus erreichte die GröĂe eines Truthuhns und war wie die meisten Nicht-Vogel-Theropoden ein zweibeiniger Fleischfresser. Bisher wurden zwei gut erhaltene Skelette entdeckt, eines zur Zeit der 1850er Jahre in Deutschland und das zweite ĂŒber ein Jahrhundert spĂ€ter in Frankreich.
Compsognathus gehört zu den wenigen Dinosauriern, deren ErnĂ€hrung anhand von Fossilfunden bekannt ist â so fanden sich in den BĂ€uchen beider Individuen die Ăberreste kleiner, agiler Echsen. Das in Deutschland gefundene Exemplar ist das erste vollstĂ€ndig erhaltene Fossil eines Dinosauriers, das entdeckt wurde, obwohl es anfangs einer Eidechse zugeschrieben wurde. Die einzige bekannte Art (Typusart) ist Compsognathus longipes, obwohl frĂŒher das in Frankreich entdeckte Exemplar als eigene Art, Compsognathus corallestris, gefĂŒhrt wurde.
Bis in die 1980er und 1990er Jahre galt Compsognathus als der kleinste bekannte Dinosaurier und als nĂ€chster Verwandter des Urvogels Archaeopteryx. Deshalb ist Compsognathus auch auĂerhalb der Wissenschaftskreise bekannt geworden.
Contents
âą Merkmale
âą Systematik
⹠PalÀoökologie
⹠PalÀobiologie
âą Hand
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
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Merkmale
Compsognathus ist von zwei fast vollstĂ€ndig erhaltenen Skeletten bekannt. Das in Deutschland gefundene Skelett gehörte zu einem etwa 89 Zentimeter langen Tier, wĂ€hrend das in Frankreich entdeckte Skelett auf ein etwa 125 Zentimeter langes Tier schlieĂen lĂ€sst.cite-ref-gsp88-6-0[6] Jahrzehntelang galt Compsognathus als kleinster bekannter Dinosaurier â spĂ€ter wurden jedoch noch kleinere Vertreter entdeckt, wie Caenagnathasia, Microraptor oder Parvicursor. GewichtsschĂ€tzungen reichen von 0,26 bis 0,58 Kilogramm fĂŒr das kleinere und von 0,83 bis 3,5 Kilogramm fĂŒr das gröĂere Exemplar.cite-ref-therrien-07-7-0[7]
Wie andere Compsognathiden wies Compsognathus kurze Arme mit jeweils drei krĂ€ftigen Fingern und einen verhĂ€ltnismĂ€Ăig langen, aber dĂŒnnen SchĂ€del auf. Der Schwanz ist in beiden Fossilien nur unvollstĂ€ndig erhalten geblieben. Der verwandte Sinosauropteryx hatte mit ĂŒber 60 Schwanzwirbeln den proportional lĂ€ngsten Schwanz aller bisher bekannten Theropoden, wobei vermutet wird, dass Compsognathus einen Ă€hnlich langen Schwanz gehabt hat.cite-ref-currie2001-8-0[8] Wie bei verwandten Gattungen hatte der SchĂ€del fĂŒnf paarige SchĂ€delfenster, wobei die Augenhöhle (Orbitalfenster) das gröĂte war.cite-ref-lambert-9-0[9] Der Unterkiefer war dĂŒnn, wobei das Mandibularfenster fehlte â eine Ăffnung im Unterkiefer, die sich fĂŒr gewöhnlich bei Archosauriern findet. Die ZĂ€hne waren klein, aber scharf, wodurch sie an die Beute angepasst waren, die aus kleinen Wirbeltieren und vielleicht anderen kleinen Tieren wie Insekten bestand. Die vordersten ZĂ€hne im Zwischenkieferbein (PrĂ€maxilla) waren im Gegensatz zu den restlichen ZĂ€hnen nicht gesĂ€gt.cite-ref-chen-10-0[10] Unterschiede zu Sinosauropteryx zeigen sich in einem kĂŒrzeren SchĂ€del, lĂ€ngeren Halsrippen und verhĂ€ltnismĂ€Ăig lĂ€ngeren Armen, die 40 % der BeinlĂ€nge erreichten.cite-ref-dinosauria04-11-0[11]
Entdeckungsgeschichte und Funde
Der deutsche Fund (Holotyp, Exemplarnummer BSP AS I 563) aus den Solnhofener Plattenkalken in der Region Riedenburg-Kelheim in Bayern wurde von dem Physiker und Fossiliensammler Joseph Oberndorfer im Jahr 1859 erworben.cite-ref-wellnhofer08-12-0[12] Der genaue Fundort wurde von Oberndorfer anscheinend geheim gehalten und ist bis heute unbekannt.cite-ref-reisdorf2012-13-0[13] Der Fossiliensammler Helmut Leich beschreibt den Fundort mit bei Jachenhausen.cite-ref-14[14] Der Fund wird auf das spĂ€te Kimmeridgium oder das frĂŒhe Tithonium datiert.cite-ref-peyer06-1-1[1]cite-ref-reisdorf2012-13-1[13] Johann Andreas Wagner studierte das Fossil und veröffentlichte im Jahr 1859 eine kurze Beschreibung; im Jahr 1861 folgte eine umfangreichere Beschreibung. Wagner prĂ€gte den Namen Compsognathus longipes (âLangbeiniger zierlicher Kieferâ), hielt den Fund aber fĂŒr eine Art Eidechse.cite-ref-15[15]cite-ref-probst-16-0[16] John Ostrom veröffentlichte 1978 eine umfangreiche Beschreibung, wodurch Compsognathus zu einem der am besten bekannten kleinen Theropoden jener Zeit wurde.cite-ref-ostrom78-17-0[17] Das Exemplar galt als bedeutende Ikone der so genannten Opisthotonus-Hypothese.cite-ref-faux2007-18-0[18] Die gekrĂŒmmte Körperhaltung ist allerdings nicht auf Agonie, sondern auf Zersetzungsprozesse nach dem Tod zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-reisdorf2012-13-2[13] Das in Deutschland entdeckte Fossil wird heute in der Bayerischen Staatssammlung fĂŒr PalĂ€ontologie und historische Geologie in MĂŒnchen ausgestellt.
Das gröĂere französische Skelett (Exemplarnummer MNHN CNJ 79) wurde wahrscheinlich im Jahr 1971 entdeckt und stammt aus dem Kalkstein bei Canjuers nahe Nizza im sĂŒdöstlichen Frankreich.cite-ref-peyer06-1-2[1] Der Fund wird auf das untere Tithonium datiert und besteht aus zwei GrĂŒnen Steinen. â auf dem ersten Block befinden sich SchĂ€del und Postkranium (Restskelett) bis zum siebten Schwanzwirbel, auf dem zweiten sind die Schwanzwirbel 9 bis 31 erhalten geblieben. Es fehlen lediglich das hintere (distale) Ende des Schwanzes und einige Handknochen.cite-ref-peyer06-1-3[1] Anfangs befand sich das Fossil im Privatbesitz der Familie Ghirardi, den EigentĂŒmern der KalksteinbrĂŒche in Canjuers. 1983 konnte das MusĂ©um national dâhistoire naturelle in Paris die Sammlung der Familie, einschlieĂlich des französischen Compsognathus-Exemplars, aufkaufen.cite-ref-peyer06-1-4[1] Erstmals beschrieben wurde dieses Fossil bereits 1972 von Alain Bidar und Kollegen;cite-ref-bidar72-19-0[19] nach dem Aufkauf durch das Pariser Museum wurde das Fossil von J. G. Michard detaillierter prĂ€pariert und untersucht.cite-ref-michard91-20-0[20] Die jĂŒngste Untersuchung des Fossils stammt von Karin Peyer (2006).cite-ref-peyer06-1-5[1]
Dames beschrieb im Jahr 1884 vier FuĂknochen aus den Solnhofener Plattenkalken, die von Huene (1925) fĂŒr einen weiteren Compsognathus-Fund hielt. Ostrom (1978) widerlegte diese Zuordnung, da diese Knochen andere Proportionen aufweisen als die entsprechenden Knochen von Compsognathus.cite-ref-ostrom78-17-1[17] Zinke (1998) beschrieb 49 ZĂ€hne aus der Guimarota-Formation von Portugal (Kimmeridgium) als einen weiteren Compsognathus-Fund.cite-ref-21[21]
Systematik
ĂuĂere Systematik
Bereits im Jahr 1868 vermutete Thomas Huxley, dass dieses Tier eng mit den Dinosauriern verwandt war. Huxley stellte eine neue Ordnung auf, die Ornithoscelida, welche die Unterordnung Dinosauria sowie die neue Unterordnung Compsognatha enthalten sollte. Compsognathus bildete den einzigen Vertreter der Compsognatha.cite-ref-22[22] 1896 erkannte Othniel Charles Marsh diese Gattung als echtes Mitglied der Dinosaurier an, klassifizierte die Compsognatha als Unterordnung der Theropoda und stellte eine neue Familie auf, die Compsognathidae.cite-ref-23[23] Friedrich von Huene (1914) verwarf den Namen Compsognatha und ordnete die Compsognathidae innerhalb der Coelurosauria eincite-ref-huene-1914-24-0[24] â diese Zuordnung wird noch heute als gĂŒltig betrachtet.cite-ref-peyer06-1-6[1]
Lange galt Compsognathus als einziger Vertreter der Compsognathidae; in den letzten Jahrzehnten haben PalĂ€ontologen jedoch verschiedene verwandte Gattungen entdeckt. Heute werden den Compsognathidae die Gattungen Aristosuchus,cite-ref-25[25] Huaxiagnathus,cite-ref-26[26] Mirischia,cite-ref-27[27] Sinosauropteryx,cite-ref-ji1996-28-0[28]cite-ref-currie2001-8-1[8] und manchmal auch Juravenatorcite-ref-29[29] und Scipionyxcite-ref-30[30] zugeschrieben. Zwar galt frĂŒher Mononykus ebenfalls als ein Mitglied dieser Familie, Chen und Kollegen (1998) widerlegten jedoch diese Zuordnung â diese Autoren sehen die Ăhnlichkeiten zwischen Mononykus und den Compsognathiden als ein Beispiel konvergenter Evolution.cite-ref-chen-10-1[10] Die Position von Compsognathus und seinen Verwandten innerhalb der Coelurosauria ist umstritten. Einige Forscher, wie Thomas Holtz, Ralph Molnar und Philip Currie (2004) halten die Compsognathidae fĂŒr die ursprĂŒnglichste Coelurosauria-Familie,cite-ref-dinosauria04-11-1[11] wĂ€hrend andere eine Einordnung innerhalb der Maniraptora postulieren.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]
Innere Systematik
Derzeit wird mit Compsognathus longipes lediglich eine einzige Art dieser Gattung anerkannt. UrsprĂŒnglich beschrieb Bidar (1972) das gröĂere französische Exemplar als eine zweite Art, Compsognathus corralestris. Diese sollte sich durch ihre GröĂe und durch eine vermeintliche flossenartige, vermutlich mit SchwimmhĂ€uten ausgestattete Hand von Compsognathus longipes unterscheiden.cite-ref-bidar72-19-1[19] Ostrom (1978) zeigte jedoch, dass das französische Exemplar mit dem deutschen Exemplar bis auf die GröĂe nahezu identisch ist.cite-ref-ostrom78-17-2[17] Callison und Quimby (1984) identifizierten das kleinere in Deutschland entdeckte Exemplar als ein Jungtier der gleichen Art.cite-ref-callisonquimby1984-33-0[33]
PalÀoökologie
WĂ€hrend des Oberjura war Europa ein trockenes, tropisches Archipel am Rand des Tethys-Meers. Beide Fundorte â das Solnhofener Gebiet und Canjuers â waren zur Zeit der Ablagerungen Lagunen, die zwischen den StrĂ€nden und Korallenriffen der jurazeitlichen Inseln des Tethys-Meeres lagen.cite-ref-34[34] Zeitgenossen von Compsognathus schlieĂen die frĂŒhen Vögel oder vogelĂ€hnlichen Dinosaurier Archaeopteryx und Wellnhoferia und die Flugsaurier (Pterosauria) Rhamphorhynchus und Pterodactylus mit ein. Die gleichen Ablagerungen, die auch die Compsognathus-Ăberreste enthielten, beherbergen die Fossilien zahlreicher mariner Lebewesen wie Fische, StachelhĂ€uter, Krebstiere und Weichtiere, was bestĂ€tigt, dass Compsognathus an der KĂŒste lebte. Abgesehen von Archaeopteryx und Wellnhoferia wurde kein anderer Dinosaurier in Verbindung mit Compsognathus entdeckt.cite-ref-wellnhofer08-12-1[12]
PalÀobiologie
Hand
Das im 19. Jahrhundert in Deutschland entdeckte Exemplar zeigt lediglich zwei Finger an jedem Arm, was Wissenschaftler zu der Annahme verleitete, das Tier hĂ€tte tatsĂ€chlich nur zwei Finger besessen.cite-ref-ostrom78-17-3[17] Das spĂ€ter in Frankreich entdeckte Fossil zeigt jedoch, dass die Hand von Compsognathus â Ă€hnlich wie bei anderen Vertretern der Compsognathidae â tatsĂ€chlich mit drei Fingern ausgestattet war.cite-ref-35[35] Die VordergliedmaĂen des deutschen Fossils sind, wie man heute weiĂ, nur unvollstĂ€ndig erhalten. Bidar vermutete, das französische Exemplar hĂ€tte zu Lebzeiten SchwimmhĂ€ute zwischen den Fingern gehabt. In dem 1975 erschienenen Buch The Evolution and Ecology of the Dinosaurs beschreibt L. B. Halstead Compsognathus corallestris als einen amphibisch lebenden Dinosaurier, der Beute im Wasser jagte und sich vor gröĂeren PrĂ€datoren in Sicherheit bringen konnte, indem er auf das Wasser hinausschwamm.cite-ref-36[36] Diese Hypothese wurde von spĂ€teren Autoren verworfen.cite-ref-ostrom78-17-4[17]
ErnÀhrung und Fortbewegung
Marsh entdeckte im Jahr 1881 ein kleines Skelett in der Bauchregion des deutschen Exemplars und hielt es fĂŒr die Ăberreste eines Embryonen. Im Jahr 1903 zeigte jedoch Franz Nopcsa, dass es sich tatsĂ€chlich um das Skelett einer Echse handelt, die das Tier gefressen hatte.cite-ref-nopcsa-37-0[37] Ostrom schrieb sie im Jahr 1994 der Gattung Bavarisaurus zucite-ref-38[38] und folgerte, dass diese Echse ein schneller, agiler LĂ€ufer war: Sie besaĂ einen langen Schwanz, und auch die proportional langen Beine weisen auf eine schnelle Fortbewegung hin. Diese Folgerungen legen die Vermutung nahe, dass Compsognathus als JĂ€ger dieser Tiere ein gutes Sehvermögen und die FĂ€higkeit zum raschen Beschleunigen besessen haben muss.cite-ref-ostrom78-17-5[17] Das Bavarisaurus-Skelett ist in einem StĂŒck erhalten geblieben, was zeigt, dass Compsognathus seine Beute als Ganzes schluckte, ohne sie zu zerkleinern. Im Bauch des französischen Exemplars wurden Fossilien von unbestimmten Echsen oder Sphenodonten gefunden.cite-ref-peyer06-1-7[1]
Othenio Abel Ă€uĂerte 1922 anhand einer als Kouphichnium lithographicum bekannten FĂ€hrtenfolge die Vermutung, einige kleine Dinosaurier wie Compsognathus hĂ€tten sich hĂŒpfend fortbewegt. Auch der PalĂ€ontologe Martin Wilfarth stellte sich den Spurenverursacher als kleinen Dinosaurier vor â nach seiner Ăberzeugung hatte das Tier zur Fortbewegung die Arme gespreizt nach vorne gesetzt, um die Hinterbeine nach vorne hindurch zu schwingencite-ref-39[39]. Erst 1940 bewies Kenneth E. Caster, dass es sich bei den Kouphichnium-Spuren um die Spuren eines Pfeilschwanzkrebses der Gattung Limulus handelt.cite-ref-40[40]cite-ref-probst-16-1[16] Eine neuere Studie hat die Höchstgeschwindigkeit von Compsognathus anhand von Muskulaturmodellen auf 64 km/h geschĂ€tzt.cite-ref-sellers-41-0[41]
Mögliche Eierfunde und Integument
Auf der Gesteinsplatte des deutschen Compsognathus-Exemplars befinden sich unterhalb des Brustkorbs 13 Halbkugeln mit einem Durchmesser von jeweils ±10 mm.cite-ref-griffiths-42-0[42] Obwohl sie fĂŒr gewöhnlich der in den Solnhofener Plattenkalken hĂ€ufigen Seelilie Saccocoma zugeschrieben werden, deutete sie Matthias MĂ€user 1983 als ungelegte Eier.cite-ref-probst-16-2[16]cite-ref-griffiths-42-1[42] Allerdings bezweifelten spĂ€tere Autoren diese Hypothese, da die Fossilien auĂerhalb des Körpers gefunden wurden. Nopcsa (1903), Barthel (1964) sowie Reisdorf & Wuttke (2012) fĂŒhrten die Genese der fraglichen Strukturen auf gasförmige FĂ€ulnisprodukte zurĂŒck, die wĂ€hrend der Zersetzung des Kadavers am Meeresboden entstanden.cite-ref-nopcsa-37-1[37]cite-ref-43[43]cite-ref-reisdorf2012-13-3[13] Weitere Zweifel machten sich nach der Entdeckung eines Skelettes von Sinosauropteryx breit, welches zwei fossile Eier in der Bauchregion enthĂ€lt. Diese Eier sind proportional gröĂer und auĂerdem weniger zahlreich als die vermeintlichen Compsognathus-Eier.cite-ref-chen-10-2[10]
Friedrich von Huene beschrieb 1901 am deutschen Exemplar HautabdrĂŒcke in der Bauchregion sowie einen Hautpanzer aus sechseckigen Hornplatten, der zumindest den Schwanz und den Nacken des Tieres bedeckt haben soll.cite-ref-huene01-44-0[44] Strukturen an den Armen des französischen Exemplars wurden als die dicke Haut von SchwimmhĂ€uten angesehen (s. o.). In seiner Neubeschreibung von Compsognathus konnte Ostrom (1978) jedoch alle diese Deutungen widerlegen.cite-ref-ostrom78-17-6[17] Reisdorf & Wuttke (2012) interpretieren die an dem deutschen Compsognathus-Exemplar ausgebildeten Strukturen neuerdings als Adipocire-Pseudomorphose.cite-ref-reisdorf2012-13-4[13]
Federn und die Verbindung mit Vögeln
Ein ganzes Jahrhundert lang war Compsognathus der einzige gut bekannte kleine Theropode, dies fĂŒhrte auch zu Vergleichen mit Archaeopteryx und zu Spekulationen bezĂŒglich einer Verwandtschaft mit den Vögeln. TatsĂ€chlich weckte Compsognathus, und weniger Archaeopteryx, Huxleys Interesse am Ursprung der Vögel.cite-ref-fasweis04-45-0[45] Compsognathus und Archaeopteryx zeigen viele Gemeinsamkeiten in Form, GröĂe und Proportionen, so viele, dass mindestens ein federloses Skelett eines Archaeopteryx viele Jahre lang fĂ€lschlicherweise fĂŒr das eines Compsognathus gehalten wurde.cite-ref-lambert-9-1[9] Viele andere Theropoden wie Deinonychus, Oviraptor oder Segnosaurus gelten heute jedoch als noch nĂ€here Verwandte der Vögel.
Keines der Compsognathus-Fossilien zeigt AbdrĂŒcke von Federn oder federĂ€hnlichen Strukturen, im Gegensatz zu Archaeopteryx, welcher aus denselben Sedimenten stammt; somit zeigen viele Abbildungen Compsognathus ohne Federn. Die einzigen Federn, die von Archaeopteryx bekannt sind, sind die groĂen Schwanz- und Flugfedern; kurze Federn, die wahrscheinlich den Körper bedeckten, sind nicht erhalten geblieben. Die mit Compsognathus eng verwandten Gattungen Sinosauropteryx und Sinocalliopteryx sind zusammen mit den Ăberresten einfacher Federn erhalten geblieben, die den Körper wahrscheinlich wie ein Fell bedeckten,cite-ref-currie2001-8-2[8] was andeutet, dass auch Compsognathus Ă€hnlich gefiedert gewesen sein könnte.cite-ref-jietal2007-46-0[46] Bei einem anderen vermutlichen Compsognathiden aus Deutschland, Juravenator, fanden sich im Gegensatz dazu Ăberreste einer schuppigen Haut, jedoch ohne Anzeichen auf eine mögliche Befiederung. Dies könnte bedeuten, dass Federn nur bei einigen Compsognathiden auftraten, obwohl eine Studie aus dem Jahr 2007 von Butler und Upchurch zu dem Schluss kommt, dass Juravenator gar kein Compsognathide war.cite-ref-47[47]cite-ref-butler-upchurch2007-48-0[48]
Compsognathus in der PopulÀrkultur
Compsognathus zĂ€hlt wegen seiner geringen KörpergröĂe, seiner vermeintlich zweifingrigen Hand sowie der VollstĂ€ndigkeit des Typexemplars zu den populĂ€ren Dinosauriern.cite-ref-peyer06-1-8[1] Lange galt er aufgrund seiner geringen KörpergröĂe als einzigartig, da die meisten anderen kleinen Dinosaurier erst viel spĂ€ter entdeckt wurden.cite-ref-peyer06-1-9[1]
In der jĂŒngeren Vergangenheit tauchte dieser Dinosaurier in den Filmen Vergessene Welt: Jurassic Park (The Lost World: Jurassic Park), Jurassic Park III und Jurassic World: Das gefallene Königreich (Jurassic World: Fallen Kingdom) auf. In Vergessene Welt wird er fĂ€lschlicherweise als Compsognathus triassicus bezeichnet, was den Namen Compsognathus mit den Artnamen von Procompsognathus kombiniert. TatsĂ€chlich ist in der literarischen Vorlage der Jurassic Park-Filme, im Roman Dinopark, die Rede von den Procompsognathen, die dort abgekĂŒrzt aber auch Compys genannt werden. Die âCompysâ werden in Jurassic Park als soziale, in Gruppen jagende Tiere dargestellt â tatsĂ€chlich gibt es keinerlei Hinweise auf eine derartige Lebensweise.
In der Kinderbuchserie Dino Terra des Autors Fabian Lenk spielt der Dinosaurier eine nennenswerte Rolle.
In den Videospielen Ark: Survival Evolved, Dino Crisis und Dino Crisis 2 kommen âCompysâ ebenfalls vor.
Einzelnachweise
cite-note-22. â Wilhelm Pape, Max Sengebusch (Bearb.): Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, 6. Abdruck. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914 (zeno.org [abgerufen am 17. November 2021]).
cite-note-33. â Henry George Liddell, Robert Scott, Henry Stuart Jones: A GreekâEnglish Lexicon. Abgerufen am 17. November 2021.
cite-note-44. â Wilhelm Pape, Max Sengebusch (Bearb.): Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, 6. Abdruck. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914 (zeno.org [abgerufen am 17. November 2021]).
cite-note-55. â Henry George Liddell, Robert Scott, Henry Stuart Jones: A GreekâEnglish Lexicon. Abgerufen am 17. November 2021.
cite-note-gsp88-66. â Gregory S. Paul: Early Avetheropods. In: Gregory S. Paul: Predatory dinosaurs of the world. A complete and illustrated guide. Simon and Schuster, New York NY u. a. 1988, ISBN 0-671-61946-2, S. 297â300.
cite-note-currie2001-88. â Philip J. Currie, Pei-ji Chen: Anatomy of Sinosauropteryx prima from Liaoning, northeastern China. In: Canadian Journal of Earth Sciences. Band 38, Nr. 12, 2001, ISSN 0008-4077, S. 1705â1727, doi:10.1139/e01-050.
cite-note-lambert-99. â David Lambert: The Ultimate Dinosaur Book. Dorling Kindersley, London u. a. 1993, ISBN 1-56458-304-X, S. 38â81.
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